Brainfood - Nervennahrung
Gehirndoping & Brainbooster
Jeder hat es schon erlebt, das Gedächtnis lässt einen im Stich. Ob es sich dabei um einen wichtigen Termin handelte oder um den Geburtstag eines guten Freundes, ein schlechtes Gedächtnis macht Ärger und beeinträchtigt den Alltag. Schlimmer wird es noch, wenn Prüfungen anstehen: wochenlanges, mühsames Büffeln, um dann mit Müh und Not die Prüfung zu bestehen. Wäre es da nicht schön, wenn man nur eine Pille schlucken müsste, um den Gedächtnis-Turbo für die grauen Zellen anzuwerfen.
Maximilian war immer ein guter Schüler. Neben Sport waren seine Leidenschaft die Naturwissenschaften, vor allem Chemie und Biologie. Als Sportler legte er stets großen Wert auf gesunde und ausgewogene Ernährung. Auf Partys vermied er es, mit Drogen in Kontakt zu kommen. Ab und an ein Glas Bier, aber Partydrogen wie Ecstasy oder Cannabis war absolut tabu. Er brauchte keine Drogen, um sich gut zu fühlen.
Das Lernen viel im leicht und so gehörte er zu den besten seines Abiturjahrganges. Als er sich entscheiden musste, was er studieren wollte: Pharmazie oder Medizin, entschied er sich für Medizin. Zu Beginn des Studiums war er voller Elan und der viele Stoff und die Prüfungen machten nicht wirklich Probleme. Doch bald merkte er, dass seine Kommilitonen auch zu den Besten gehörten und er trotz vermehrter Anstrengungen nur zum Durchschnitt gehörte. Er verspürte plötzlich den Druck, den Anforderungen, die er an sich selbst stellte, nicht mehr gewachsen zu sein.
Dann war es soweit. Ein Freund erzählte ihm von Ritalin. Als Medizinstudent war es für Maximilian nicht schwer, an das verschreibungspflichtige Medikament zu kommen. Ritalin wird normalerweise hyperaktiven Kindern verschrieben, die verhaltensauffällig sind und sich schlecht konzentrieren können. Aber auch bei Gesunden entfaltet es seine Wirkung.
Bereits nach der Einnahme der ersten Tablette verspürte Maximilian eine positive Wirkung. Er fühlte sich plötzlich viel wacher als sonst, es gelang ihm jetzt über Stunden voll konzentriert und auf eine Sache fokusiert, sich seinen Büchern zu widmen. Durch diese Erfolge bestärkt griff er immer wieder zu Ritalin und er gehörte, wie er es von früher her kannte, bald wieder zu den Besten.
Heute arbeitet Maximilian als niedergelassener Arzt in München. Sein Tagespensum schafft er nur, wenn er neben Ritalin noch weitere antriebssteigernde und stimmungsaufhellende Medikamente zu sich nimmt. Den Sport, den er früher mit viel Leidenschaft ausübte, hat er aufgegeben.
Gehirndoping wird zum Massenphänomen
Experten sagen voraus, dass wir im nächsten Jahrzehnt eine Dekade der „neurokognitiven Revolution” erleben werden. Weltweit suchen Forscher nach neuen Leitstrukturen mit pharmazeutischer Wirkung. Chemiker und Biologen bereisen exotische Länder und befragen alte Völker und Stämme nach deren Medizin. Informatiker und Mathematiker entwerfen im Computer neue pharmazeutische Wirkstoffe, indem sie alte, bekannte Wirksubstanzen künstlich verändern. Biotechnologen bedienen sich der Gentechnik, um menschliche Gene in tierische oder pflanzliche Zellen zu schleusen, damit diese gentechnisch hergestellte Wirkstoffe produzieren. Verfügbare Medikamente, die bereits jetzt getestet werden, können kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Gedächtnis und sogar Stimmungen in eine gewünschte Richtung lenken. Viele dieser Medikamente werden entwickelt, um bestimmten Erkrankungen vorzubeugen oder diese zu heilen. Aber auch gesunde Menschen können von diesen Medikamenten profitieren.
Ampakin CX717
Amerikanische Wissenschaftler haben einen Wirkstoff in der Entwicklung, der die Gedächtnisleistung verbessern soll. Die Substanz CX717 gehört zu der Gruppe der Ampakine, deren Wirkmechanismus dem von Glutamat ähnlich ist. CX717 hilft dabei, leichter zu lernen und besser zu erinnern. Neben der Steigerung der Gedächtnisleistung ist der Wirkstoff auch zur Behandlung von Alzheimer, Narkolepsie und ADH im Gespräch.
Ritalin
Zunehmender Beliebtheit erfreut sich Ritalin vor allem bei Schülern. Allein in den USA nehmen mehr als 4 Millionen Jugendliche regelmäßig Ritalin. Ritalin ist in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Medikament, dass vor allem bei Hyperaktivität und dem ADH-Syndrom verschrieben wird. Ritalin wirkt nicht wie ein Beruhigungsmittel, sondern bewirkt die Freisetzung von Dopamin und sorgt gleichzeitig dafür, dass dieser Botenstoff länger zwischen den Nervenzellen verbleibt. Wahrnehmung und Empfindungen werden dadurch besser gefiltert und die Aufmerksamkeit steigt.
Donezepil
Donezepil ist eigentlich ein Medikament, das bei der Alterskrankheit Alzheimer verschrieben wird. In klinischen Tests an Piloten hat sich allerdings gezeigt, dass diese ihre Gedächtnisleistung signifikant verbessern konnten. Donezepil ist ein Acetylcholinesterase-Hemmer, der dafür sorgt, dass der Botenstoff Acetylcholin verzögert abgebaut wird und somit den Synapsen länger zur Verfügung steht.
Modafinil
Modafinil macht müde Krieger munter. Modafinil ist der Wirkstoff des in den USA vertriebenen Wachmachers Provigil. In Deutschland ist das Medikament unter dem Handelsnamen Vigil für die Behandlung der Schlafstörung Narkolepsie zugelassen, bei der die Betroffenen plötzlich und unkontrollierbar während des Tages einschlafen. Provigil unterscheidet sich von anderen amphetaminartigen Stimulanzien. Wie es genau wirkt, ist unbekannt, es scheint aber relativ spezifisch die Schaltstellen für den Schlafrhythmus im Hirn zu beeinflussen. Suchtgefahren und ernste Nebenwirkungen wurden bisher nicht beobachtet.
» Gehirnschädigende Substanzen
Tipp:
Ein ganz banales Gehirndoping: 1 bis 2 Tassen starker Kaffee mit etwas Zucker helfen immer, wenn die Konzentration nachlässt. Dabei kommen zwei Mechanismen zum Tragen: der Zucker dient dem Gehirn als schnell verfügbarer Energiespender und Koffein verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin.
Gehirndoping
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