Gehirnjogging: geistig fit mit Gehirntraining



Das Gehirn austricksen - unangenehme Aufgaben angehen

Orlando Florin Rosu - Fotolia.com

Unser Gehirn ist bei eintönigen Tätigkeiten schnell gelangweilt

Das menschliche Gehirn weist eine unfassbar komplexe Struktur auf. Die beiden Hauptareale nachzuahmen, stellt die Forschung seit vielen Jahren vor ein fast unlösbares Problem. Zwar gibt es bereits neben den Thesen auch Argumente bezüglich der Funktionsweise des Denkorgans, doch ob es tatsächlich der Sitz der Seele ist, wie Träume entstehen, welche genetischen Faktoren zur Hochbegabung führen und was das Gehirn tatsächlich alles weiß, ist bislang teilweise noch unklar.

Auf der anderen Seite lässt sich unser Gehirn ziemlich einfach in die Irre führen. Dafür reichen bereits einfache, optische Täuschungen aus. Das führt zu der Frage: Auf welche Weise lässt sich das Gehirn noch austricksen und kann daraus vielleicht sogar Nutzen geschlagen werden?

Nie wieder rauchen – das Gehirn muss überlistet werden

Ein heute aktiver Raucher zündete sich vermutlich irgendwann völlig unbefangen seine erste Zigarette an. An diesem Punkt begibt er sich noch nicht zwangsläufig in den Kreis der Abhängigkeit. Währenddessen läuft im Gehirn aber bereits ein interessanter Vorgang ab. Ihn zu kennen, befähigt zur Manipulation des Gehirns und damit zur Aufgabe der Sucht.

Die sich im Gehirn befindenden Neuronen (Nervenzellen) versorgen sich über die Synapsen oder besser über den synaptischen Spalt mit einem essenziellen und überall im Körper vorhandenen Botenstoff namens Acetylcholin. Acetylcholin ist an vielfältigen Vorgängen – z.B. der Muskelkontraktion – beteiligt.

Gelangt Nikotin über die Blutbahn in das Gehirn, kommt es in den Neuronen an. Es verdrängt das Acetylcholin und sorgt bei den Zellen für eine verringerte Wahrnehmung für einströmendes Acetylcholin. Je mehr die Menschen rauchen, desto weniger nimmt der Körper Acetylcholin wahr und räumt den Platz für Nikotin. Neben einer Sucht sind auch krankhafte Organveränderungen bis hin zur Entstehung entarteter Zellen die Folge.

Wer um diese Situation weiß, beginnt zumeist das Rauchen in seiner Intensität zu verringern oder Zigaretten lediglich zu bestimmten Tageszeiten zu konsumieren. Das führt dazu, dass die Neuronen kurzfristig ihre Wahrnehmung für Acetylcholin stärken. Da sie kurz darauf wieder Nikotin empfangen, senkt sich ihre Sensibilität für Acetylcholin erneut. Der Suchtkreislauf bleibt bestehen. Es ist also nicht nur ratsam, sondern unbedingt erforderlich, das Rauchen komplett zu beenden – ohne Reduktion. Entgegen der Meinung vieler Laien ist dies in der Regel ungefährlich und der einzige Weg, der gekonnt aus dieser Sucht führt. Mit diesem Wissen tricksen viele ihr Gehirn aus und haben sich das Rauchen von heute auf Morgen abgewöhnt.

Warum? Ganz einfach! Nikotin verschwindet nicht unmittelbar aus dem Körper. Bis es durch die Blutbahn zu 50% abgebaut wurde, vergehen zwölf Stunden. Eine Zigarettendosis verschwindet erst gänzlich nach zwei Wochen aus dem Körper. Erst dann kann der Körper wieder Acetylcholin richtig wahrnehmen und nur so hat die betroffene Person eine Chance, der Suchterkrankung zu entkommen.

Hinweis: Ein Entzug kann – gerade für Langzeitabhängige – aber auch immer unerwünschte Komplikationen mit sich bringen. Nicht nur das Nikotin in Zigaretten macht süchtig, auch die langen, tiefen Atemzüge beim Rauchen und die damit verbundene Stressreduktion haben sich als Ritual ins Gehirn eingebrannt. Es kann sehr lange dauern, bis sich dieser Zustand wieder normalisiert.

Aufräumen – diesen Trick kennt das Gehirn nicht

Aufräumen ist das wohl größte, lästige Übel des Alltags. Dabei ist der Grund für entstehende Unordnung nicht nur ein träger Bewohner. Die Ursachen liegen in der Physik, denn Chaos expandiert kontinuierlich, wohingegen Ordnung mit Methodik zu erreichen ist.

Die Ordnung ist gewissermaßen der Urzustand – quasi ein leerer Raum. Je mehr Dinge sich entwickeln oder vom Bewohner gekauft werden, desto mehr Chaos kann entstehen. Dagegen vorzugehen fällt vielen schwer.

Allerdings gestaltet es sich eigentlich relativ einfach. Unser Gehirn ist (zu Unrecht) darauf „trainiert“, dass die Beseitigung von Unordnung viel Zeit in Anspruch nimmt. Das schafft Demotivation und führt zur Prokrastination (Aufschiebeverhalten). Besser ist es, jeden Tag einen Teil zu erledigen und sich kleiner Tricks für mehr Ordnung zu bedienen.

Die einzige Regel lautet, einfach immer das wegzuräumen, was gerade hingeräumt wurde. Auf diese Weise schafft jeder Ordnung. Wer es als Anfänger tatsächlich mit einem unüberblickbaren Chaos zu tun hat, sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren und sich zunächst nur einen Raum vornehmen. Diesen Raum gilt es von Unordnung zu befreien. Ein Wechsel zu einem anderen Raum kommt erst bei vorhandener Ordnung des ersten Raumes in Frage.

Zur Steigerung der Motivation nimmt sich der akribische Putzteufel zuerst jene Ecken vor, die bei geringem Aufwand die größten optischen Veränderungen erzielen. Hierbei ist sich auf große Flächen zu konzentrieren. Ein Fensterputz bringt schnelle Veränderungen und setzt Endorphine (Glückshormone) frei. Ein aufgeräumter Fußboden suggeriert ebenso, dass bereits viel geleistet wurde. So schnell ist es möglich, Herr über das Gehirn zu sein und das Aufräumen effektiv anzugehen.

Effektives Lernen – Lethargie um den Finger wickeln

Wer kennt das nicht? Die nächste Prüfung steht an und das sommerliche Wetter lockt ins Grüne. Allerdings ist der schulische oder berufliche Erfolg wichtiger und so lernen die meisten Menschen unmotiviert weiter. Die Essenz des Themas will jedoch nicht ins Langzeitgedächtnis gelangen. Das ist ein Problem. Manche geben an dieser Stelle komplett auf – doch es gibt einen Ausweg.

Der Ausweg erinnert ein wenig an die früheren Jump and Run Spiele der 1990er-Jahre. Figuren liefen durch Welten und sammelten virtuelle Münzen ein, die man später gegen besondere Gegenstände eintauschen konnte. Das Sammeln dieser Münzen war eher lästig, doch es gab etwas, worauf man sparen konnte – ein realistischer Anreiz in nicht zu ferner Zukunft.

Dieses Prinzip bietet sich auch beim Lernen an. Natürlich gilt es hier keine Münzen zu sammeln. Weitaus wichtiger ist es, Reize zu schaffen und mit dem Lernen zu verknüpfen. Viele Eltern haben das Prinzip erkannt und wenden es durch die Vergabe von diversen Boni bei guten Noten an. Richtig angewendet, kann dieses System unter Umständen Früchte tragen. Wer jedoch bereits erwachsen ist, muss sich selbstständig motivieren. Ohnehin ist es nicht unbedingt sinnvoll, den Prüfling für eine gute Leistung zu belohnen. Der Weg ist einmal mehr das Ziel und diesen gilt es motiviert zu beschreiten.

Wer viel Stoff lernen muss, sollte sich Verknüpfungen im Gehirn schaffen, um zu verhindern, dass das Gelernte nicht „hängen bleibt“. Regelmäßige, kleine Belohnungen können hier oft Wunder wirken.

Der Lernende sollte beispielsweise das Vorlesungsskript in sinnvolle Abschnitte aufteilen und sich – nachdem ein Abschnitt gelernt wurde – an einer frei gewählten Belohnung erfreuen (z.B. ein Folge der Lieblingsserie anschauen).

Da das Lernen nun in unmittelbarem Zusammenhang mit der Belohnung steht, steigt die Chance, dass sich die gelernten Inhalte besser einprägen. Das Gehirn ist insgesamt aktiver und damit empfänglicher für neue Informationen. Es gilt hierbei jedoch, das richtige Maß zu finden. Die Belohnung darf weder unbedeutend, noch zu zeitintensiv sein. Hier muss letztlich jeder selbst einen Weg finden, um sich das Lernen zu erleichtern.


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